Interview mit der Gartenbotschafterin des Landkreises Ostallgäu

20.7.2021 Landkreis Ostallgäu. Zum Tag der Hängematte am 22. Juli hat die Kreisgartenfachberatung mit der Ostallgäuer Gartenbotschafterin zum Garten als Raum der Erholung gesprochen.

Elke Schäling begann zusammen mit ihrem Mann German vor mittlerweile über 40 Jahren einen Garten um das neu gebaute Familienheim in Stöttwang (Ostallgäu) anzulegen. Etliche Male wurde das Grundstück verändert, Pflanzen wurden ergänzt, der Hang terrassiert.

Im Lauf der Jahre wuchs der Garten, im wahrsten Sinne des Wortes, denn inzwischen bestimmen große Bäume und Sträucher über einen Großteil der bald 2000 Quadratmeter großen Fläche. Darunter und dazwischen jedoch findet sich eine große Vielfalt an Stauden, Rosen, Kräutern und Kletterpflanzen, natürlich auch ein Gemüsegarten. Es ist ein Garten zum Eintauchen ins Grün, üppig und voller Leben. Da darf natürlich auch ein großer Teich nicht fehlen.

Elke Schäling arbeitete vor der Pensionierung als Lehrerin für Erdkunde und Englisch. Mit ihren Bäumen wuchsen auch Elkes Interesse und Verständnis ums Gärtnern, bis es mittlerweile zum Lebensinhalt geworden ist. Wer mit ihr durch den Garten geht, merkt schnell, was hier die treibende Kraft ist: die Liebe zu ihren Pflanzen.

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Sehr geehrte Frau Schäling, bereits durch die vielen Sitzplätze lädt ihr Garten zum Verweilen und Innehalten ein. Welche Rolle spielt der Garten als Ort der Entspannung in Ihrem Leben?

Elke Schäling: Für mich ist der Garten der ideale Mittelpunkt unseres Lebens. Darum muss er vielfältig sein und dazu gehören Sitzplätze, allerdings sind sie eher Rastplätze zum kurzen Ausruhen und Beobachten, was sich um mich herum tut. Welche Vögel und Insekten sehe ich, wenn ich ruhig sitze? Was höre ich? Meistens entdecke ich beim herumschauen eine Pflanze, die gegossen oder angebunden werden muss. Das zu machen, ist keine Arbeit, ich entspanne mich beim Garteln. Am schönsten ist es, mit interessierten Menschen durch den Garten zu gehen – früher nannte man das Lustwandeln – zu schauen, zu riechen, zu schmecken. Das ist pure Entspannung.

Und etwas allgemeiner gefragt: Was macht das Leben als Gärtnerin so besonders?

Elke Schäling: Früh an einem Sommermorgen durch den noch kühlen Garten zu gehen ist ein besonderes Vergnügen. Überhaupt rate ich zum Frühaufstehen. Die frühe Gärtnerin sieht ihren Garten morgenfrisch. Der Tag fängt gut an. Einen Garten zu haben, egal ob groß oder klein, ist ein Glück. Man kann gestalten, einen Ort schaffen für Pflanzen und Tiere. Dafür bekommt man unendlich viel zurück.

Ihr Garten hat viele unterschiedliche Facetten. Lassen sie sich dabei auch von anderen Gärten, Gärtnerinnen und Gärtnern inspirieren? Welche fallen Ihnen da ein? (Regional? Überregional?)

Elke Schäling: Ich gärtnere seit über 40 Jahren und habe mich immer umgeschaut, was andere machen. Über den Gartenzaun kommt man sich näher. Gärtner*innen sind freigiebig, sie teilen ihr Wissen und ihre Pflanzen gern. Gärten zu besuchen, kann sehr inspirierend sein. Das haben wir früher gemacht. Heute gehen wir vor allem auf Entdeckungstour im eigenen Garten. Wir besuchen aber auch gerne den Berggarten des Crescentiaklosters in Kaufbeuren. Er ist zu allen Jahreszeiten ein Ort der Ruhe mitten in der Stadt. Eigentlich kann man ja als Gärtner*in höchstens im Winter verreisen. Und da müssen die Vögel gefüttert werden.

Haben Sie Lieblingspflanzen in Ihrem Garten? Welche sind das und warum?

Elke Schäling: Meine Lieblingspflanzen sind die „treuen und genügsamen“, die auch, wenn es regnet, heiß ist oder bei Schneckenplage wachsen und gedeihen, z.B. Frauenmantel, Elfenblume, Phlox, Gamander. Im zeitigen Frühjar blühen zuverlässig Elfenkrokusse und Winterlinge und bringen Vorfreude aufs Gartenjahr. Ich gebe allerdings zu, dass die schwierigen, wenn sie dann mal für kurze Zeit blühen, meine absoluten Lieblinge sind, z.B. die Strauchpfingstrose Paeonia rockii.

Wenn Sie eine Pflanze wären, welche wäre das?

Elke Schäling: Ich möchte ein Baum sein, tiefverwurzelt im Boden mit einem starken Stamm und den Zweigen in der Luft. Vielleicht eine Robinie. Die blüht im Juni eine weiße Wolke, Wenn man darunter steht und die Augen schließt, hört man ein Summen und Brummen von hunderten von Bienen und Hummeln.

Auch Obst, Kräuter und Gemüse findet man viel im Garten. Haben Sie besondere Favoriten, um ihre Küche zu bereichern? Oder gar einen Rezepttipp?

Elke Schäling: In unserem Garten muss Essbares unter besonderen Bedingungen angebaut werden, denn es gibt durch die vielen hohen Bäume und Sträucher viel Schatten und nur wenige wirklich sonnige Stellen. Daher sind die Beeren die wichtigsten essbaren Pflanzen bei uns im Garten, vor allem für die Enkelinnen. Es gibt zahlreiche (Wald-) Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, sämtliche Johannisbeeren und Stachelbeeren. Ein feiner Nachtisch damit ist zum Beispiel eine Schale gemischte Beeren mit wenig Zitronensaft, ein bisschen Zucker und darüber kleingeschnittene Samen der Süßdolde (Myrrhis odorata), die schmecken nach Lakritz. Natürlich gibt es dort, wo es sonnig ist, aber auch Kräuter wie Schnittlauch, Minzen, Liebstöckel und viele mediterrane Kräuter in Töpfen. Stangenbohnen, Erbsen, Zucchini, Rhabarber, Palmkohl, Mangold und der Salat in Kästen wachsen auch bei uns recht gut. Tomaten müssen in alte Badezuber oder Hängekörbe.

Sie blicken zurück auf viele Jahre als Gärtnerin, sind aber auch Mutter von drei Kindern und haben auch bereits drei Enkelkinder. Welche Botschaft haben Sie als Gärtnerin für die nachfolgenden Generationen?

Elke Schäling: Pflanzt Bäume, sie produzieren Sauerstoff und Schatten im immer heißer werdenden Sommer. Seid den Kindern ein Vorbild beim Beobachten der Natur. Nur was man liebt, will man erhalten. Schmetterlinge im Garten suchen macht Kindern Spaß. Lasst Wildwuchs zu, streicht das Wort „Unkraut“ aus dem Vokabular. Unsere Gärten müssen vielfältiger werden.